Sonntag, 24. November 2013

Weihnachten? Nein, danke!


Liebe Leser, 

November hat nicht mehr viele Tage. Bis Heilig Abend sind es noch 30 Nächte. In München öffnen die Weihnachtsmärkte. Alle Schaufenster in der Stadt sind Weihnachtlich dekoriert und überall glitzert die Festbeleuchtung. 


Die Briennerstrasse in Festbeleuchtung

Letzte Woche saß ich mit Käffchen, Hund und Zeitung auf der Couch und überlegte was ich alles vor 

Weihnachten erledigen müsste, wo wir hingehen würden zum feiern, ob die Kinder dann alle kommen und welche Geschenke ich noch aussuchen müsste. Dann das Festessen. Und den Adventskranz. Die Plätzchen ...  Und alles, aber wirklich alles in mir schrie: "Stopp! Ich will nicht. Lass mich aus dieser Zug springen, der zu schnell über die Schienen donnert. Ich will aussteigen. Ich mag dieses Jahr am liebsten KEIN Weihnachten feiern!"


Wittelsbacherplatz, Aufbau der Mittelalter-Weihnachtsmarkt

Augenblicklich machte sich Erleichterung und Frieden breit. Mein Gewissen ließ natürlich nicht gleich locker: "Darf ich so egoistisch sein? Einfach alles ausfallen lassen, bloß weil mir danach ist?"
Also wurde es zum Abendessen besprochen. 


Und ich machte erstaunliche Entdeckungen:

Seit ich in Deutschland lebe (24 Jahr) begehe ich Weihnachten so wie es mir hier gezeigt wurde. So wie ich rein-gewachsen bin. Zusammengesetzt aus den Erfahrungen und Erwartungen von meinem Deutschen Mann, von dem was mir Freunde, die Schule, die Medien hier beibrachten. Und etwas von meinen eigenen Traditionen fand dabei auch noch ein Plätzchen. 

Alles war dann sehr Deutsch eben. Adventskranz, Adventskalender, Plätzchen backen, Geschenke kaufen, Festmenü planen, Dekoration bedenken, Einkaufen, Organisieren, Einkaufen, basteln, Einkaufen, Kochen, Kochen, Backen, Backen, Weihnachtsbaum kaufen, Haus putzen, mit den Kindern basteln, die Kinder einkleiden, Kochen, Einkaufen, Geschenke verpacken, Weihnachtsbaum schmücken, Kochen, und dann am Heilig Abend ohne Hunger, meistens mit Bauchkrämpfe oder Kopfschmerzen das ganze Ritual von der Bescherung durchstehen. 
 
Weihnachtstisch im Kaufhaus
Am nächsten Tag in die Kirche gehen, Weihnachtsessen kochen, noch mehr kochen, backen, Verwandte begrüßen, endlich essen, an alles denken, nichts vergessen. Noch mehr Bescherung. Kleine Spaziergänge machen. Kaputt sein. Ruhe wollen, Hinlegen geht jetzt nicht. Noch mehr kochen. Kaffee, Tee, Kuchen, Plätzchen. Ich platze schon vor kugelrund satt sein. Ich kann nicht mehr. Küche putzen. Und dann ... ganz spät, nach Mitternacht vielleicht ein Stündchen wirkliches Weihnachten für mich alleine erleben. Bei einer Kerze sitzen. Der Duft des Baumes riechen, ein Glas Rotwein in der Hand aber jedes Jahr die gleiche Gedanke: "Warum tue ich mir das an?"


Kerstmis wurde in Holland anders gefeiert. Ich glaub, jetzt hat sich das auch verändert und ist es kommerzieller geworden. Aber als ich Kind war, war es ein schlichtes Fest. In meiner Familie spielte Glauben keine Rolle, wir gingen nicht in die Kirche. Aber es gab ein Weihnachtsbaum und vor allem kamen meine Cousinen, meine Oma, meine Tante und Onkel und es wurde ausgiebig gegessen, viel gespielt, endlos lange dürften wir wach bleiben. Es gab schöne Erzählungen, warmer Punsch und Kerstkrans (ein Blätterteiggebäck mit Marzipanrohmasse). Geschenken gab es keine, die hatten wir schon zu Sinterklaas bekommen (Nikolaus).


Sinterklaas kommt an in Scheveningen (Bild "Holland Tourismus")

Weihnachten war einfach warm, voller lachen, mit Familie, viel Spaß und Zeit für ausgiebige Wanderungen und stundenlanges Lesen. In meiner Erinnerung war es ein entspanntes Fest das einfach nur Freude gemacht hat.

In Deutschland angekommen fand ich die Begegnung mit dem Deutschen Weihnachtsfest spannend. Ich wollte  lernen das  genauso gut hin zu kriegen wie ich das bei meinen Freundinnen sah und mein Mann, seine Verwandten und später unsere Kinder eine große Freude zu machen. Plätzchen backen, Geschenke besorgen,  Advent feiern, Kochen, wochenlang mit Vorbereitungen beschäftigt sein ... das alles gehörte dazu. Ich machte tapfer mit.
die Weihnachtsmänner warten

Als die Kinder noch klein waren hatte diese Tradition ein besonderer Glanz und Heiligkeit. Nichts ist schöner als in großen, staunenden Kinderaugen zu schauen wenn sie das mit Kerzen beleuchtendes Weihnachtszimmer betreten. Und dafür nahm ich den ganzen Stress gerne im Kauf.

Jetzt habe ich mich getrennt von meinem Mann, und auch getrennt von festen Ideen über wie ein Weihnachtsfest aus zu sehen hat.
Meine Kinder können Weihnachten bei ihrem Vater feiern. Ich bin dann alleine mit Mimi und wir können machen was wir wollen.


Noch sind die Buden geschlossen

Alles ist frei. Alles ist möglich. und so habe ich für dieses Jahr nur ein Wunsch: lass Weihnachten mal ausfallen. Lass mich einfach spüren was passiert wenn ich kein Plätzchen backe, wenn ich keine Geschenke kaufe, wenn ich mich dem Sog und den Stress in der Stadt entziehe. Und dabei will ich spüren was passiert. Spüren und fotografieren und darüber schreiben. Einfach entdecken wie das ist.
Ich bin gespannt und freue mich auf dieses Abenteuer.


Ich habe keine Idee wo es hingeht. Und zeige nur das was mich berührt.


So wie dieses Bäumchen am Eisbach im Englischen Garten heute. 

So wie diese starke alte Eiche.

Und wie Advent und Weihnachten in den nächsten Wochen aussehen werden durch meine Kameralinse?



Ich werde da sein und berichten.


Viel Spaß dabei wünscht euch,


eure Joan


Kommentare:

  1. Hallo, Dein Artikel ist ja schon ein paar Tage alt allerdings ist heute etwas geschehen, dass ich Dir mitteilen wollte ;-)
    Mein Sohn (2.Klasse) kam heute mit dem Lesebuch nach hause und der Aufgabe daraus einen bestimmten Text vorzulesen. Und ich habe sehr darüber geschmunzelt, als es sich um das Weihnachtsfest in Holland handelt. Eure Tradition ist also so schön, dass sie es ins Schulbuch geschafft hat.
    Mein Sohn stellte nun jedoxh die Frage, ob die Kinder denn zum eigentlichen Weihnachten am 24.12. nicht traurig sind, wenn dann kein Weihnachtsmann kommt. In Holland gibt es doch die gleichen Filme wie hier und da sehen doch die Kinder den Weihnachtsmann. Und überhaupt: Gibt es gar keinen Advebtskalender?
    Liebe Grüße
    Viktoria

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  2. Danke für dein Kommentar Viktoria, ich habe es leider jetzt erst gelesen :) Lustig, das in einem deutschen Schulbuch übr das niederländische Weihnachtsfest erzählt wird! Tja, natürlich hat die schnöde Kommerz auch Holland fest im griff und gibt es da jetzt Geschneke und wahrscheinlich auch hier und da Weihnachtsmänner. Nein, Advent gibt es nicht und auch kein Adventkalender. Aber dafür haben die Niederländische Kinder Sinterklaas und der ist großartig!!! Darüber werde ich bestimmt nochmal bloggen :) LG von Joan

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